Gier nach Elfenbein bedroht Ebenholz-Bäume
Die Gier nach Elfenbein, die den Afrikanischen Waldelefanten an den Rand des Aussterbens gebracht hat, bedroht auch den Bestand von - ohnedies durch Abholzung gefährdeten - Ebenholz-Bäumen. Als Grund dafür nennt ein internationales Forschungsteam mit österreichischer Beteiligung im Fachjournal "Science Advances" eine bisher unbekannte Symbiose zwischen den Tieren und Pflanzen. Die Elefanten fressen die Ebenholz-Früchte und verbreiten und schützen die Samen mit ihrem Dung.
Die Wilderei hat in den vergangenen drei Jahrzehnten zum Rückgang der Population des Afrikanischen Waldelefanten (Loxodonta cyclotis) um 86 Prozent und zu einem extrem hohen Risiko des Aussterbens in naher Zukunft geführt, schreiben die Wissenschafterinnen und Wissenschafter um Vincent Deblauwe vom International Institute of Tropical Agriculture in Yaoundé (Kamerun) in ihrer Arbeit. Darin betonen sie die wichtige Rolle der Dickhäuter als "Ökosystem-Ingenieure".
Elefanten als "Ökosystem-Ingenieure"
Denn die Elefanten tragen durch das Recycling und die Verteilung von Nährstoffen, die Rodung des Unterholzes und das Abweiden zur Schaffung und Erhaltung von Waldlebensräumen bei. Zudem schränken sie schnell wachsende Bäume mit geringer Holzdichte durch Zertrampeln und Entrinden ein und verbreiten die Samen großer, kohlenstoffreicher Bäume.
Zu letzteren zählt Ebenholz (Diospyros crassiflora). Die Bäume können bis zu 25 Meter hoch werden und einen Stammdurchmesser von bis zu 1,2 Meter erreichen. Mit einem Durchmesserzuwachs von nicht einmal zwei Millimetern im Jahr zählen sie zu den am langsamsten wachsenden Arten im Kongobecken, wo sich einer der weltweit größten tropischen Regenwälder der Erde befindet.
Ebenholz als Kohlenstoff-Speicher
Entsprechend hart ist das Ebenholz und damit seine Kohlenstoff-Speicherfähigkeit. Durch Abholzung und Übernutzung wegen ihres wertvollen, tiefschwarzen Holzes ist auch diese Baumart erheblich bedroht. Die rund zehn Zentimeter großen Kaki-ähnlichen Ebenholz-Früchte (auch der Kaki-Baum gehört zur Gattung der Ebenholzbäume) enthalten bis zu zehn fünf Zentimeter große Samen. Wie das Forschungsteam nun zeigte, sind für ihre Verbreitung vor allem Elefanten verantwortlich, die die Früchte fressen, ohne die Samen dabei zu zerkleinern.
In der Studie wurden in Kamerun vier Flächen untersucht, zwei in einem Schutzreservat, zwei außerhalb davon. Dort wurde die Verteilung der Ebenholz-Bäume erhoben, diese genetisch analysiert und verschiedene Versuche über die Keimung der Ebenholz-Samen durchgeführt: ohne und mit Fruchtfleisch, in Elefantendung sowie geschützt mit künstlichem Mist, "um zu sehen, ob die Passage durch den Verdauungstrakt der Elefanten Einfluss auf die Keimung hat", wie Studien-Co-Autor Simon Jansen vom Institut für Waldbau der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien gegenüber der APA erklärte. Zudem wurden die Samen in unterschiedlicher Entfernung zu Mutterbäumen ausgelegt, um zu untersuchen, wie unterschiedliche Tiere an der Verbreitung der Samen beteiligt sind.
Ohne Dickhäuter viel weniger Jungpflanzen
"Wir konnten zeigen, dass Elefanten untrennbar mit dem Regenerationserfolg von Ebenholz verbunden sind", sagte Jansen. Sie beobachteten in den Gebieten mit starkem menschlichen Einfluss, wo die Waldelefanten vor allem durch Wilderei verschwunden sind, einen Rückgang von Ebenholz-Jungpflanzen um 68 Prozent gegenüber Flächen in Schutzreservaten.
Verantwortlich dafür sind vor allem zwei Faktoren: In den Gebieten mit hoher Jagdintensität nimmt nicht nur der Bestand der Elefanten ab, sondern auch jener von verschiedenen Raubtieren, die Nagetiere oder Antilopen jagen. Deren Bestand nimmt deshalb zu und sie fressen viele Ebenholz-Samen, die dabei allerdings zerkleinert und nicht mehr keimfähig ausgeschieden werden.
Dung schützt Samen vor Fressfeinden
Werden die Früchte aber von Elefanten gefressen und die Samen dann unbeschädigt ausgeschieden, schützt sie der Elefantendung physisch vor Fressfeinden und unterstützt so deren Keimung. Fehlen die Elefanten, fehlt auch dieser Schutz. Die Passage durch den Darm scheint dabei keine Rolle zu spielen, wichtig ist primär der physische Schutz der Samen vor Fressfeinden.
Weil die Elefanten täglich viele Kilometer wandern können, erhöht sich die Ausbreitungsdistanz der Ebenholz-Samen und damit die genetische Durchmischung. Ohne die Dickhäuter wachsen Jungpflanzen, wenn überhaupt, in der Nähe der Mutterbäume.
"Die Ausrottung der Waldelefanten stellt damit eine zusätzliche schwerwiegende Bedrohung für die Ebenholz-Bäume dar", so Jansen. Die Studie zeige, wie zwei große Organismen in tropischen Ökosystemen verbunden sind.
Service: Studie: www.science.org/doi/10.1126/sciadv.ady4392