Drohne überflog EU-Hightech-Zentrum in Italien: Ermittlungen
Die Mailänder Staatsanwaltschaft ermittelt in Zusammenhang mit mutmaßlichen russischen Drohnen, die über eine Forschungsanlage der Europäischen Union am Lago Maggiore in der norditalienischen Provinz Varese geflogen sein sollen. Der Verdacht lautet auf Spionage, berichtete die Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" am Montag. Zuständig sei die Abteilung für mutmaßlich terroristische Straftaten.
Der Fall beschäftigt auch das Parlament in Rom. Parlamentarier fordern Informationen über den Vorfall, da die "nationale Sicherheit" auf dem Spiel stehe. Die Aufklärungsdrohne soll nach Informationen der Zeitung im vergangenen Monat fünfmal über der Anlage unterwegs gewesen sein. Bei dem Forschungszentrum handelt es sich um eine gemeinsame Forschungsstelle der EU, die seit 1960 am italienischen Seeufer in der Gemeinde Ispra ansässig ist. Dort läuft derzeit auch ein Forschungsprojekt über die Sicherheitsaspekte von Drohnen.
Abgesehen vom EU-Joint Research Centre - dem drittgrößten Forschungscampus der Europäischen Kommission nach Brüssel und Luxemburg, der seit 65 Jahren in Betrieb ist und in dem zahlreiche auf verschiedene Bereiche (u. a. Nuklear-, Sicherheits-, Raumfahrt-, nachhaltige Ressourcen- und Verkehrsforschung) spezialisierte Forscher arbeiten, befinden sich im Umkreis von einigen Dutzend Kilometern in der Provinz Varese wichtige Fabriken des italienischen Rüstungskonzerns Leonardo, insbesondere in den Bereichen Luft- und Raumfahrt. Leonardo beliefert die österreichischen Luftstreitkräfte mit den Mehrzweckhubschraubern "Leonardo AW169M".
Die EU-Kommission bestritt indes, dass mutmaßliche russische Drohnen mehrfach über die Forschungsanlage am Lago Maggiore geflogen seien. "Wir haben weder eine Verletzung der Flugverbotszone über dem Kommissionsstandort Ispra durch eine Drohne beobachtet, noch sind uns irgendwelche spezifischen Sicherheitsbedrohungen bekannt", erklärte der Sprecher der EU-Kommission, Thomas Regnier laut Medienangaben.
Anders sieht die Lage der italienische Verteidigungsminister Guido Crosetto. Er beklagte einen "Versuch der Wirtschaftsspionage zum Nachteil der italienischen Industrie". "Die Mailänder Staatsanwaltschaft hat sofort gehandelt und einen Ermittlungsakt gegen Unbekannt eröffnet. Das mutmaßliche Verbrechen ist sehr schwerwiegend: 'Versuchte Militär- oder Industriespionage' mit dem erschwerenden Umstand der 'terroristischen Absicht'. Wir werden sehen, was das Ergebnis der Justizermittlungen ist", kommentierte Crosetto auf X.